Einzel Bericht

12.11.2013 von: Heinrich Rehberg

"Dass sie von dem Sauerkohle eine Portion sich hole ..."

Die Sauerkraut-Connection auf der Bühne der Wildenwarter Schlosswirtschaft


Das ganze Ensemble vom Wildenwarter Trachtenverein

Erzählerin Rita Stoib

Beim Karteln hat der Pleitinger keine Chance

Fräulein Mausinger deckt sich mit Zaubertrank ein

Mirzl beim Krautstampfen

Die drei alten Schulfreunde, der Pleitinger, der Schandinger und der Fusel

„Ja mit dem Sauerkrautsaft vom Pleitinger Benno da werden wieder Regionen heiß, in denen seit 20 Jahren ewige Eiszeit herrschte“, Rita Stoib die Erzählerin auf der Bühne in der Wildenwarter Schlosswirtschaft hat auch eines dieser berühmten Flascherl mit dem außerordentlich anregenden Sauerkrautextrakt genossen, angereichert mit den Erzeugnissen des Schwarzbrenners Fusel „aus Beeren und Kräutern mit den Wirkstoffen der Natur“. Und das Wundermittel wirkt nicht nur bei ihr, sondern offensichtlich auch bei allen anderen auf der Bühne.

Die Theatergruppe des Wildenwarter Trachtenvereins, unter der Leitung von Sylvia Riepertinger, präsentierte ihr neues Stückl „Die Sauerkraut-Connection“ von Franz Deimel und da fand sich urplötzlich mit Rita Stoib die dem Publikum altbekannte Vermieterin aus dem „Bsunderen Aufnocht“ Sommerfestival wieder ein, dazu „ein ganzes Büschel weiterer Charaktere“. Die Wildenwarter Trachtler spielten wieder einmal nicht Theater, so wie andere, sondern lebten auf der Bühne, als wäre das alles ganz normaler Alltag für sie: der Kleinhäusler Benno Pleitinger (Richard Zettl) stellt zusammen mit seiner stummen Magd Mirzl (Helga Grießer) Sauerkraut her, aber damit ist nicht allzu viel verdient. „Das Pfund für ein Fuchzgerl“ deckt kaum die eigenen Kosten. Der Sauerkrautsaft ist eigentlich ein Abfallprodukt, aber wenn Pleitinger ihn mit dem selbst gebrannten Schnaps seines Freundes Fusel (Sepp Held) streckt, dann hat dieser Zaubertrank „eine ganz eigenartige Wirkung“. Fusel verdient sich sein bisschen Geld mit Wilderei und Schwarzbrennen und kennt sich mit Wald und Wiese bestens aus. Kein Wunder, dass mit diesem Nebenprodukt der Sauerkrautherstellung mehr Geld zu verdienen ist, der Student Renatus (erstmals mit dabei Thomas Freund) und die Pfarrersköchin Fräulein Mausinger (Fräulein bitte, soviel Zeit muss sein, Christine Gau) bessern damit ihr Leben und ihre Beziehungen außerordentlich auf. „Der Herr Pfarrer erwägt wegen der hochprozentigen Wirkung sogar eine Eingabe wegen des Zölibats“ weiß Fräulein Mausinger, „und da hätt ich alle Chancen“.

Aber Benno Pleitinger kann - neben seinen wenig ertragreichen Geschäften - das Karteln nicht lassen und bei seinem Partner dem zwielichtigen Francesco Biginato (Glanzvolle Rolle für Andreas Freund – italienischer als jeder Italiener) kommt er an einen ausgefuchsten Betrüger, der ihm beim Glücksspiel zuerst das Geld aus der Tasche und schließlich das Fell über die Ohren zieht. So muss sich der Pleitinger an einem besonderen Geschäft des Vorstadt-Mafioso beteiligen, obwohl er seit Jahren auf der Abschussliste des Dorfgendarmen Schandinger (Lambert Huber) steht, „dem schon seine Nase die üblen Geschäfte von Pleitinger und Fusel verrät“. Und der Dorfgendarm hat noch seit der längst vergangenen gemeinsamen Schulzeit eine Rechnung mit den beiden Schulfreunden Pleitinger und Fusel offen!

Zuviel sei nicht verraten, aber man sieht es sogar schon in Wildenwart: die Mafia ist mitten unter uns und mit der Wirkung des Sauerkrautes ist manches möglich, manch hoffnungsloser Fall lässt sich wieder richten. In der ersten Pause verteilten die Theaterer Sauerkrautkuchen an ihre Gäste im voll besetzten Saal, die außerordentliche Wirkung war am selben Abend allerdings nicht mehr zu beobachten.

Reicher Applaus für alle Mitwirkenden zeigte vor allem der Spielleiterin Sylvia Riepertinger, dass sie mit der Auswahl des Stückes wieder einmal eine gute Wahl getroffen hatte. Souffleuse Sabine Till verlebte in ihrem Kasten einen ruhigen Abend, die Pointen flogen nur so an ihr vorbei.

Zweimal zeigt sich die Sauerkraut-Connection noch in der Wildenwarter Schlosswirtschaft ein: am Freitag, 15. November und am Samstag, 16. November jeweils um 20 Uhr.