Einzel Bericht

07.11.2016 von: Heinrich Reherg

Da Himme wart net


Das Wildenwarter Ensemble

Der korrekte Polizeibeamte Stelzl (Georg Aicher, links) hat den Auftrag, den eben verstorbenen Schreinermeister Bömmerl (Lambert Huber) in die Seligkeit zu führen.

Seance im Hause Bömmerl mit Finni (Martina Krug) und Emmeran (Matthias Stoib)

Was haben die Froschmeiers mitten in der Nacht in der Stube zu suchen?

Geisterbeschwörung im Hause Bömmerl mit Finni (Martina Krug) und der Himbeer Resi (Helga Grießer links)

Erfahren im Umgang mit Himbeergeist kann die Himbeer Resi auch die Geister im Hause hören (Helga Grießer links und Georg Aicher)

Geisterbeschwörung im Hause Bömmerl mit Finni (Martina Krug, links) und der Himbeer Resi (Helga Grießer)

Was haben die Froschmeiers mitten in der Nacht in der Stube zu suchen?

Das Pförtnerengerl (Andi Riepertinger) wacht über den Zugang in den boarischen Himmel

Es ist gar nicht so leicht in den bayerischen Himmel zu kommen, der Brandner Kaspar und der Dienstmann Nr. 172 Alois Hingerl geben dafür das beste literarische Beispiel; und wenn der Verblichene noch gar nicht loslassen kann vom irdischen Dasein, dann ist der Konflikt schon programmiert. Doch dieses Loslassen muss schnell erfolgen, denn „der Himme wart net“ und bietet den Verstorbenen nur ein ganz enges Zeitfenster, um ohne Umweg in die ewige Seligkeit zu kommen, ein ewiger Aufenthalt im himmlischen Wartezimmer ist die Alternative dazu. Die Theaterer vom GTEV „Die lustigen Wildenwarter“ unter der Regie von Sylvia Riepertinger bringen in diesem Jahr die Geisterkomödie „Da Himme wart net“, von Markus Scheble und Sebastian Kolbs auf die Bühne im Saal der Wildenwarter Schlosswirtschaft.

Kein Wunder also, dass der korrekte Polizeibeamte Stelzl (Georg Aicher) seinen Auftrag, den er vom Pförtnerengerl (Andi Riepertinger) erhalten hat den eben verstorbenen Schreinermeister Bömmerl (Lambert Huber) in die Seligkeit zu führen, ganz schnell ausführen möchte. Aber der Bömmerl ist im Schlafe verschieden und hatte keine Zeit, seine irdischen Verhältnisse noch entsprechend zu ordnen. Tochter Anna (Martina Huber) und die Schreinerei stecken in finanziellen Schwierigkeiten, auch wenn der brave Schreinergeselle Emmeran (Matthias Stoib) für seine junge Meisterin unentgeltlich weiterarbeiten würde, könnte es so nicht weitergehen. „Der Himme wart net“, eindringlich beschwört Stelzl den Bömmerl immer wieder endlich loszulassen, als unsichtbare Geister hätten beide keine Möglichkeit mehr ins irdische Geschehen einzugreifen. Lediglich die Himbeer Resi (Helga Grießer) hat durch ihr inniges Verhältnis mit dem Himbeergeist tief in ihrem Kopf auch Verbindung zu den beiden Geistern von Stelzl und Brömmel, aber es dauert lange, bis sich die Beteiligten über diese Möglichkeit der Kommunikation klar sind. Die Versuche der Dienstmagd Finni (Martina Krug), angeleitet durch intensive Vorbildung aus diversen Schundhefteln, bei einer Seance mit Bömmerl in Kontakt zu treten, scheitern. Alleine diese Esoterik-Szenen mit Martina Krug, Matthias Stoib und Helga Grießer waren schon das ganze Eintrittsgeld wert. Dann kommt auch noch die gierige Verwandtschaft zur Beerdigung: der Froschmeier (Christian Stoib) und seine Gattin (Christine Gau). Durch einen Zufall erfahren sie von einem immensen Lottogewinn, den Bömmerl noch gemacht hat, dieses Geld wollen sie unbedingt haben, dazu ist jede Schurkerei recht. Die Froschmeierin erkundigt sich – wieder eine Glanzszene für Christine Gau - in der Schönheitsklinik „Aphrodite“ bereits nach den Preisen für eine Generalüberholung, aber noch haben sie den Lottoschein nicht. Alle Versuche ihn tagsüber zu finden scheitern, so wird eine weitere Suche auf die Geisterstunde festgelegt und da geht es dann in einem gewaltigen Showdown endgültig rund in der guten Stube beim verblichenen Bömmerl.

Regisseurin Sylvia Riepertinger suchte das Stück aus und führte alle Schauspieler mit sicherer Hand durch die Komödie, der Beifall des Publikums galt dem gesamten spielfreudigen Ensemble und speziell ihrer Regieleistung. Souffleuse Sabine Till hatte wenig Mühe mit den Darstellern, die beiden Erzkomödianten Georg Aicher und Lambert Huber verstanden sich wieder einmal blind, beherrschten auch als unsichtbare Geister stets die Bühne und hatten die Lacher immer auf ihrer Seite. Martina Krug, die Freundin grusliger Schundheftl und Helga Grießer als Himbeer Resi mit einem Hang zu geistigen Getränken und der baldigen Aussicht auf eine Leberzirrhose sorgten alleine mit ihrer Anwesenheit für Heiterkeit im Saal. Um die Technik kümmerten sich Martin Zettl und Martin Stoib; bei den Geschehnissen rund um die Geisterstunde im Hause Bömmerl wuchsen sie über sich hinaus.

Die letzten beiden Aufführungen sind bereits ausverkauft.