Einzel Bericht

12.11.2012 von: Heinrich Rehberg

„Geister gibt es bei uns nicht"

In Wildenwart wurden auf der Bühne im Saal der Schlosswirtschaft in den vergangenen Tagen aber wiederholt einige Geister gesehen ...


Die Moorwirtin (Christine Gau) und Schippe (Ludwig Freund)

Die Wildenwarter Theaterer 2012

Schippe und Leo (Martin Stoib) und die böse Flasche

Die Philomena (Martina Krug) mit Schaufe (Stephan Baumgartner) und Schippe

Auch Geister haben ein weiches Herz (Monika Irob und Christine Gau)

Unverhofft kommt oft und wem gehört denn nun die Wirtschaft im Moortaler Moos?

Ohne den HTB geht es nicht - die Trachtenzeitung ist fürn Schuasta Jackl (Lambert Huber) die Information schlechthin

„Geister gibt es bei uns nicht, es gibt vielleicht den Weingeist, den Kerschengeist und den Quälgeist, den Schöngeist und den Plagegeist, aber keine Gespenster“. Vielleicht gibt es sie aber doch?

In Wildenwart wurden auf der Bühne im Saal der Schlosswirtschaft in den vergangenen Tagen wiederholt einige Geister gesehen. Jeder Bayer kennt den Brandner Kaspar und den Blick ins Paradies, aber was ist mit denen, die ganz urplötzlich und unverhofft aus dem Leben scheiden und noch ganz dringend etwas erledigen müssen, besonders wenn auch noch ein Fluch im Spiele ist? Dürfen die dann auf ihrem langen Weg ins Jenseits und in die Ewigkeit noch ein wenig in der vertrauten Umgebung bleiben und spuken?

Die Theatergruppe des Wildenwarter Trachtenvereins, unter der Leitung von Sylvia Riepertinger, präsentierte ihr neues Stückl „Die Gspenstermacher“ von Ralph Wallner und da fanden sich urplötzlich einige kreuzfidele Geister in Wildenwart ein.

Die Wildenwarter Trachtler spielten wieder einmal nicht Theater, so wie andere, sondern lebten auf der Bühne, als wäre das alles ganz normaler Alltag für sie: Die herunter gekommene Wirtschaft der Moorwirtin Rosa Moderer (Christine Gau) im Moortaler Moos hat keine besonderen Gäste mehr: da ist Philomena, halb Hexe und halb Wahrsagerin (Martina Krug) sie hofft ständig auf ein Gratisessen der Wirtin, am liebsten Schweinernes mit Kraut und Knödeln, sie ist aber auch mit einer sauren Wurst zufrieden und dazu die beiden seltsamen Totengräber Schippe (Ludwig Freund) und Schaufe (Stephan Baumgartner), sie haben im Moortaler Moos nur ein mageres Auskommen. Viel zu wenig Leute sterben in dem kleinen Flecken und so können sich die beiden nur mit allerlei anderen Arbeiten mühsam über Wasser halten. Ein wenig seltsam sind sie auch, sie essen mit den Fingern, trinken jeden Fusel und waschen sich eher selten oder nie. Abgesehen vom Knecht Leo (Martin Stoib) werden sie von jedermann gemieden. Eines Tages erfahren die beiden Graberer, dass ihr spärliches Gehalt vom Amt zukünftig gestrichen wird, dafür aber eine geringe Prämie pro Begräbnis bezahlt werden soll. Mehr Gräber graben, heißt das dann mehr Geld für die Totengräber? Eine in der Wirtschaft gefundene Flasche Gift lässt da schnell finstere Gedanken aufkommen und siehe da, schnell muss der Bader täglich Totenscheine für unverhofft Verstorbene ausstellen und es beginnt im Dorf zu geistern und zu spuken.

Die Moorwirtin trägt ihren langjährigen Zwist mit der wohlhabenden Veichtl Vevi (Monika Irob) aus. Beide interessieren sich für den Schuaster-Jackl, (Lambert Huber) der sich jedoch für keine der beiden so recht begeistern kann und am liebsten einschichtig bleiben möchte. Leo dagegen lernt mit der hübschen Lena (Karin Ramsauer), einer weitschichtigen Verwandten der Moorwirtin, seine große Liebe kennen. Zuviel sei nicht verraten, aber Gespenster sind viel menschlicher, als man gemeinhin denkt. Und der Ausdruck Quälgeister bekommt für die beiden Erdschaufler eine wahrhaft wörtliche Bedeutung.

„Gspenstermacher“ ist ein lustiger und humorvoller Schwank, der das Publikum gekonnt mit witzig-makabren Situationen im wahrsten Sinne des Wortes be“geister“te. Die triste Atmosphäre der ärmlichen Moorschenke im Moortaler Moos im Novembernebel mit ihren skurrilen Gästen, die überraschende Situationskomik und der Wortwitz bilden einen wunderbaren Kontrast. Dennoch wird es nie pietätlos oder tragisch, mit dem Thema „Tod und Gespenster“ wird von den Wildenwarter Theaterern sehr unterhaltend und spannend umgegangen und wie gesagt: „Gespenster gibt es eben doch“.

Reicher Applaus für alle Mitwirkenden zeigte vor allem der Spielleiterin Sylvia Riepertinger, dass sie mit der Auswahl des Stückes wieder einmal eine gute Wahl getroffen hatte. Souffleuse Sabine Till verlebte in ihrem Kasten einen ruhigen Abend, die Pointen flogen nur so an ihr vorbei und einmal landete sogar eine leibhaftige tote Maus im Souffleurkasten.

Zweimal stellen sich die Geister noch in der Wildenwarter Schlosswirtschaft ein: am Freitag, 16. November und am Samstag, 17. November jeweils um 20 Uhr.