Einzel Bericht

04.08.2013 von: Heinrich Rehberg

Der Bsundere Aufnocht - ein ganz bsunderer Aufnocht.

Wildenwarter lüften ihr Geheimnis um den Bsunderen Aufnocht - Riesenbeifall nach zwei Stunden Heimatabend der anderen Art


Der Wirt von Wildenwart

Eine neue Zeit zieht herauf - das Alte muss weg

Die ersten Sommerfrischler in Wildenwart

Live und in Farbe Willies Jepp auf der Bühne

Auf den Spuren der Hellwigs: Kennts du die Perle, die Perle Tirols

80 Männer Frauen und Kinder beim Bsunderen Aufnocht - scho eppas Bsunders

Das Wildenwarter Wetterhäusl - recht lebendig und absolut zuverlässig

Sie hatten zu ihrem 110-jährigen Jubiläum einen „Bsunderen Aufnocht“ angekündigt, die Trachtler vom Trachtenverein „Die lustigen Wildenwarter“ und es wurde ganz etwas ganz Besonderes geboten. 110 Jahre führten die 80 Mitwirkenden unter der Regie von Richard Zettl und Silvia Riepertinger auf der Bühne die Besucher im vollbesetzten Festzelt in fünf Bildern durch die Zeit. „Wir haben in Wildenwart einen Trachtenverein, eine gute Musik und ein weitum bekanntes Theater, wenn wir das alles zusammen schmeißen, muss es etwas werden“ erklärte Festleiter Christian Stoib das Konzept des Abends und dann begann es. Der Mittelpunkt des Geschehens war der Wirt von Wildenwart, dargestellt in barocker Fülle von Peter Voggenauer und seine Wirtschaft.

Schon nach der ersten Szene war allen klar, dass man damals vor über 100 Jahren unbedingt einen Trachtenverein brauchte, um die alten Bräuche und die Tracht im Lande zu erhalten, auch wenn es gegen den Willen der Kirche und der Begüterten war: die Idee setzte sich durch. 110 Jahre später ist der Verein selber eine Autorität im Lande.

Mit welchen Schwierigkeiten ein Theaterregisseur in den Zwanziger Jahren kämpfen musste, bis die Inszenierung eines Original-Wildererdramas stand, zeigte das zweite Bild. Ein unschuldiger Vogel musste dran glauben, als es auf der Bühne wieder einmal blitzte und krachte, aber das erwartet der Theaterbesucher einfach so in Wildenwart, ebenso wie das Lied vom Wildschützen Jennerwein, gesungen von Georg und Peter Aicher.

Es blieb nicht bei Blitz und Krach, eine dunkle Zeit zog auf in Wildenwart, untermalt durch den Badenweiler Marsch und auf der Bühne wurde es leer – die Burschen wurden eingezogen. Einsam wurde es in der Wirtschaft. Peter Aicher brillierte mit dem Lied vom guten Kameraden auf der Solotrompete, zum Gedächtnis an alle, die dem Krieg zum Opfer gefallen waren. Nach dem Krieg fing ein neues Leben an, es galt die Feste aufzuholen die es sechs Jahre nicht gab, die Burschen kehrten aus der Gefangenschaft zurück und alle trafen sich zum Kirchweihtanz. Dieser wurde durch die US-Patrouille rüde abgebrochen „Sperrstunde“ – live dazu fuhr ein US-Jeep auf die Bühne und die Kaugummi kauende Besatzung machte dem Tanz ein Ende.

Im nächsten Bild kamen die Sommerfrischler nach Wildenwart, hier fanden sich viele aus der damaligen Generation wieder. „Genau so war es, wenn die Sommerfrischlerinnen diese sechs Wochen da waren, wurden wir nicht mehr gebraucht, da waren wir Dirndl im Dorf Luft und danach kamen sie wieder angeschloffen, die Mannsbilder“. Obwohl Rita Stoib als Vermieterin ihr bestes Hochdeutsch hervorholte, verstand die reizende Berliner Familie mit Georg Aicher, Christine Gau und den beiden allerliebsten Mädels im Petticoat nur Bahnhof. Das hinderte alle vier aber nicht, sich voll ins Wildenwarter Festleben zu stürzen. Das „Kufsteiner Lied“ gesungen von den „Huber Dirndln“ aus Siegharting und untermalt mit dem Bild von Maria und Margot Hellwig, verleitete viele zum Schunkeln wie in alter Zeit. Die Wildenwarter Kindergruppe wurde damals gegründet, dieses Mal zeigte sie „den Berliner Gästen“ das Bauernmadl.

Schon näherte sich der Abend der Neuzeit, Vorstand Lambert Huber setzte nach dem Befragen der Wetterorakel kurzfristig eins der berühmten Wildenwarter Waldfeste an und wieder erschien er - alles selber machend - mit dem ebenso berühmten grünen Auto auf der Bühne im Zelt. Fast wie im richtigen Leben lief das Fest auf der Bühne ab, unter Einsatz der Jugendgruppe und der Aktiven mit dem Holzhacker – eben ein richtiges Wildenwarter Waldfest. An alles hatten die beiden Regisseure gedacht, sogar an den Duft der Steckerlfische vom Holzkohlengrill. Da das Fest zur Zeit der Wende stattfand, wurden durch die Beleuchtung auch ein paar Gäste aus Sachsen in einem Trabi angelockt und stellten bei der Bestellung eines Broilers fest, dass man sie hier nicht so recht verstand. Und fast so wie im richtigen Leben endete auch dieses Waldfest in Wildenwart: mit Blitz und Donner bei strömendem Regen.

Im letzten Bild bereiteten sich die Wildenwarter auf das Gaufest vor, ohne Gegenstimme beschloss der Ausschuss das Fest durchzuführen, trotz mancher Bedenken wegen des Platzes für das große Zelt. Eifrig begann die Arbeit am Aufbau mit dem Girlandenbinden und dem Verlegen der Abwasserleitung. Hier kam es zu dem heute noch sagenhaften Blackout, der Wildenwart für ein paar Stunden von der Stromversorgung abschnitt. Der große Festzug führte schließlich alle 80 Mitwirkenden mit Musikkapelle und Fahnenabordnung quer durchs Festzelt – die Vorbereitung des Spieles mit Männern, Frauen und Kindern, mit Musikanten und Theaterspielern hatte nach über einem halben Jahr und ungezählten Proben ein glückliches Ende gefunden.

Begeistert applaudierten die Zuschauer mit Standing Ovations, so etwas gab es noch nie in einem Bierzelt bei einem Gaufest. „Zu einem normalen Heimatabend zum 110-jährigen Gründungsfest wären wohl kaum so viele Leute gekommen“, so begeistert ein ehemaliger Gauvorplattler, „die Geheimnistuerei der Wildenwarter und das Drumherum um diesen Abend haben ihm den Erfolg gebracht, so etwas kann nicht wiederholt werden“.